Verschlafen deutsche Unternehmen und Behörden elementare Trends?

Verschlafen deutsche Unternehmen und Behörden elementare Trends?

Oktober 25, 2018 IPv6 0

Digitale Transformation, IoT (Internet der Dinge) und Industrie 4.0 sind omnipräsente Schlagworte. Zu den Vorteilen, Risiken und auch damit verbunden ethischen Aspekten kann man zurecht diskutieren. Ob freiwillig oder aufgrund äußerer Erfordernisse, viele Unternehmen bewegen sich in Richtung der Digitale Transformation. Doch eine wichtige technische Grundlage dafür wird von vielen Unternehmen und Behörden anscheinend nicht ernst genommen. Ohne die nächste Generation des Internetprotokolls, IPv6, wird die Einführung obiger Technologien und Methoden nicht möglich sein. Hört man sich ein wenig bei Verantwortlichen um, sind es immer wieder die gleichen Argumente, warum IPv6 (noch) nicht eingeführt werden muss. Insgesamt wird dieses Projekt auf die lange Bank geschoben.

Dabei wird übersehen, dass IPv6 schon längst angekommen ist. Es wird deutlich mehr genutzt, als es die meisten einschätzen. Der Blick auf die Statistiken von Google, die tagesaktuell die Nutzung ihrer Dienste über die Protokolle IPv4 und IPv6 überwachen, spricht eine deutliche Sprache. Im Oktober 2018 kommen in Deutschland etwa 40 % der Anfragen an die Google Server via IPv6.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: https://www.google.de/ipv6/statistics.html#tab=per-country-ipv6-adoption

Das bedeutet, dass deutlich mehr als ein Drittel aller Anfragen aus Deutschland an die Google Webserver über IPv6 gehen. Ein erheblicher Teil dieser Anfragen stammt natürlich aus privaten Haushalten und mobilen Endgeräten.

Vergleicht man damit die Liste der in Deutschland am häufigsten besuchten Websites, dann sind von diesen 100 Websites etwa die Hälfte (47) aus der DE Top Level Domain. Von diesen 47 Websites sind etwa 80 % NICHT über IPv6 erreichbar. Wir sprechen hier nicht von Websites kleiner Unternehmen, sondern von den großen Medienkonzernen, Banken, Onlinehändlern, Providern und Behörden. Damit ignorieren 80% dieser Websitebetreiber, dass ein beachtlicher Teil der Besucher sie lieber über IPv6 erreichen würde. Aber nicht kann!

Bei der „@Scale“ Konferenz 2015 wies der dafür verantwortliche Mitarbeiter von Facebook darauf hin, dass gemäß ihren Messungen zur Responsezeit IPv6 gegenüber IPv4 ca. 15% schneller ist. Sein Fazit: „Warum quälen viele Unternehmen eine wachsende Zahl ihrer Kunden oder Besucher, indem die Unternehmens-Webdienste nur via IPv4 erreichbar sind?“ Seit dem hat sich die Zahl der IPv6 Nutzer weltweit verdreifacht.

Keine Digitale Transformation ohne IPv6! Kenntnisse zu IPv6 benötigt jeder, der einen IT Beruf ausübt, nicht nur die Netzwerkbetreuer. Daher ist es nicht nur an der Zeit, sich damit zu beschäftigen, sondern es einzuführen. Vor allem bei den Schlüsseldiensten, wie zum Beispiel den Web- und Mailservern. Entweder holt man das Thema jetzt von der „langen Bank. Oder man nimmt deutlich höhere Kosten und Risiken in Kauf, wenn die Notwendigkeit zur Einführung von IPv6 „plötzlich und unerwartet“ akut wird.

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